Was ist eine Schliefenanlage (oder Schliefanlage)?

Schliefanlagen sind künstlich angelegte Fuchsbaue. Jäger und Jagdhundhalter richten darin ihre Hunde auf Schärfe auf den Fuchs ab. Dazu halten die Betreiber Füchse in Gefangenschaft. Die Füchse müssen ihr Leben in kleinen Zwingern verbringen, die gerade eben den gesetzlichen Mindestanforderungen genügen. In freier Natur bewohnen Füchse große Reviere von mehr als 100 ha.

Was passiert bei der Schliefenarbeit?

Der Schliefenwart setzt beim Training die Wildtiere dann in die Schliefenanlage. Diese besteht aus mehreren künstlichen Gängen (Röhren) und einem künstlichen Kessel (in der Natur das “Wohn- und Kinderzimmer” des Fuchses). Durch versetz- oder verschließbare Schieber können die Laufwege in den Röhren verändert werden. Ist der Fuchs auf seinem Weg durch das Labyrinth im Kessel angekommen, wird dieser zugeschiebert. Der Fuchs kann den Kessel nicht mehr verlassen. Nun setzt der Hundehalter seinen Jagdhund (Dackel, Jack Russel, Jagdterrier oder ähnlich) an anderer Stelle in den Bau. Er muss der Geruchsspur des Fuchses folgen. Im Kessel soll der Hund dann den Fuchs so lange verbellen und bedrängen, bis dieser den Kessel “sprengt”. In der Natur würde er also seine vermeintlich sichere Behausung fluchtartig verlassen – vor die Flinten der Jäger.

Es ist verboten […] ein Tier an einem anderen lebenden Tier auf Schärfe abzurichten oder zu prüfen,

Tierschutzgesetz der Bundesrepublik Deutschland, § 3 Satz 7

Warum ist das grausam?

In der Schliefenarbeit soll der Fuchs durch Gitter oder Schieber vom Jagdhund getrennt sein, so dass dieser das Beutetier nicht verletzen kann. Trotzdem kommt es immer wieder zu Verletzungen auf beiden Seiten. Die Stress-Situation, unter denen die Füchse immer und immer wieder leiden, kommt noch hinzu. Für die sensiblen Tiere ist das eine schlimme Tortur. Und nach dem Schliefeinsatz sperrt der Schliefwart die Opfer dann wieder in den Zwinger. Dort werden sie Zeit ihres Lebens gehalten, um immer wieder für die Schliefarbeit und Schliefprüfungen eingesetzt zu werden.

Jägerlatein

Jäger behaupten immer wieder, diese Praxis sei

  • zur Ausbildung der Hunde,
  • zur Einschränkung der Population von Füchsen und damit
  • zum Schutz bedrohter Arten

notwendig. Sie argumentieren, Jagd begrenze die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten. Viele wissenschaftliche Studien widerlegen diese Behauptungen jedoch und belegen sogar das Gegenteil: Jagd kann die Ausbreitung von Wildtierkrankheiten fördern.

Gesetzliche Lage

Das Tierschutzgesetz verbietet das Abrichten auf Schärfe, aber die Lobbyisten (Jäger sind überproportional in den Parteien CDU und FDP vertreten) haben auch hier wieder eine Ausnahme geschaffen. Die Jäger behaupten einfach, die Hunde würden nicht auf Schärfe abgerichtet. Denn – so heißt es – weil sie ja technisch vom Fuchs getrennt werden, können die Hunde diesen nicht verletzen. Und Satz 8 des gleichen Paragraphen erlaubt durchs Hintertürchen das Hetzen des Hundes auf den Fuchs. Die Jäger selbst bestimmen nämlich, was “waidgerecht” (und damit rechtlich o.k.) ist.